Wiesen und Weiden sind für Natur und Landwirtschaft von wichtiger Bedeutung. In Deutschland nehmen sie mehr als 30% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein. Sachsen-Anhalt bietet mit mehr als 169.000 Hektar auf. Grünland ist heutzutage überwiegend grün, kann aber durchaus auch bunt sein. Das macht nicht nur für unser Auge – und vielleicht unsere Stimmung – einen großen Unterschied, sondern fördert auch unsere heimische Artenvielfalt. Mehr als die Hälfte der in Deutschland verbreiteten Blüten- und Farnpflanzen kommen im Grünland vor. Dazu leben mehr als 3.500 Tierarten auf unseren Wiesen und Weiden.

Extensiv genutzte und damit in der Regel artenreiche Wiesen und Weiden sind für den Erhalt der Biodiversität und des kulturellen Naturerbes unersetzbar. 822 der in Deutschland gefährdeten Arten der Farn- und Blütenpflanzen haben ihr Hauptvorkommen im Grünland, die Mehrheit die-ser Arten kommt ausschließlich in extensiv bewirtschafteten Grünlandbeständen vor.

„Als ich mit dem Raumschiff die Erde umkreiste, sah ich, wie schön unsere Erde ist. Lasst uns diese Schönheit bewahren und vermehren, nicht zerstören!“

Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum

Äcker, Hecken, Streubobstwiesen, Blühflächen und Feuchtwiesen sind wichtige Elemente unserer Kulturlandschaft. Sie erfüllen zahlreiche agrarökologische Funktionen und dienen vielen Tierarten als Nahrungs-, Brut- bzw. Aufzuchtplatz, Ruhestätte und Winterquartier.

Zunächst erscheint es zum Beispiel absurd, die bei uns am intensivsten genutzten Flächen, die Äcker, als Lebensraum für Wildtiere zu sehen. Äcker machen in Sachsen-Anhalt knapp 85% der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Sie können für Bienen und andere Wildtiere ein wertvoller Lebensraum sein. Je nach Bewirtschaftung haben Äcker viel für Bienen zu bieten. Unter den Feldfrüchten stellt aktuell der Raps ein nennenswertes Futterangebot im Frühjahr dar.

Doch neben den Nutzflächen gibt es noch viele Hektar ungenutztes und unbeachtetes Land, welches zum Erhalt unserer Natur intensiv genutzt werden kann.

Wie viele Kilometer es von ihnen gibt? Wer weiß das schon. Feld- und Wegraine sind ein so offensichtlicher Bestandteil der Kulturlandschaft, dass man ihnen nicht immer die Beachtung schenkt, die sie verdienen. Aber das ändert sich. Wegränder rücken immer mehr in den Fokus von Naturfreunden, Imkern, Kommunalpolitikern, Landwirten, Jägern und anderen Gruppen. Das Interesse an Wegrainen hat weniger damit zu tun, dass sie mehr, besser oder schöner geworden sind. Ganz im Gegenteil. Beim Umgang mit ihnen liegt einiges im Argen. In einer Landschaft, die einem immer höheren wirtschaftlichen Druck ausgesetzt ist, bieten Wegraine – ökonomisch betrachtet – keinen Nutzen. Aber gerade deshalb sind sie Inseln der Vielfalt: Heimat von Bienen, Schmetterlingen, Rebhühnern und anderen Vertretern einer reichhaltigen Pflanzen- und Tierwelt. Doch diese Fülle an Formen und Farben ist immer seltener zu beobachten. Die biologische Vielfalt oder Biodiversität ist weltweit bedroht. Eine Renaissance blühender Wegraine allein kann dies nicht verhindern. Aber sie sind ein Beitrag dazu, Pflanzen und Tieren der Heimat ein Refugium zu bieten und damit dem Menschen Naturerlebnisse quasi vor der Haustür zu schenken.