Auf unserer Erde wurden mehr als 20.000 Bienenarten gelistet und beschrieben. In Deutschland gibt es derweil nur knapp 570 Arten. Eine davon ist die Honigbiene. Sie liefert den Menschen seit Jahrtausenden Honig und Wachs – aus diesem Grund wird sie intensiv kultiviert und geschützt. Für uns Menschen sind ihre nahen Verwandten, die Wildbienen, nicht weniger wichtig.

Wildbienen sind im Vergleich zur Honigbiene bei der Bestäubung von Pflanzen um ein Vielfaches effizienter und für die Befruchtung von vielen Kulturpflanzen von Nöten. So werden in Deutschland 28 Pflanzengattungen gezählt, die nur von bestimmten Wildbienenarten bestäubt werden. Für Tomaten, Rotklee oder Alfalfa (Luzerne) sind Wildbienen überlebenswichtig, da Honigbienen nur selten die Blütenstände der Pflanzen, in denen sich der Pollen befindet, aufbrechen.

Auch eine Ertragssteigerung für andere Pflanzengattungen wurde nachgewiesen. So kann sich zum Beispiel Raps durch Wind zwar selbstbestäuben, aber aus 50% der Blüten entsteht dann nur ein fortpflanzungsfähiger Samen. Mit Hilfe von Bienen, insbesondere Wildbienen, erhöht sich dieser Prozentsatz bis zu 40%. Die Keimfähigkeit der Samen wird deutlich gesteigert und führt somit zu einem höheren Ölgehalt pro Blüte. Durch Fremdbestäubung können Landwirte den Ertrag ihrer Ernte um bis zu 30% steigern.

Dies sind nur einige Beispiele, warum der Schutz von Wildbienen wichtig ist. Sie erzeugen zwar keinen Honig, aber leisten einen essenziellen Teil für die Natur.

Als Wildbiene bezeichnet man alle Bienenarten, die nicht zur Honigbiene und den wildlebenden Urformen oder verwilderte Stämme dieser gehören. So gehören Seidenbienen, Maskenbienen, Sandbienen, Mauerbienen, aber auch die Hummel zu den vielen Gattungen in Deutschland. Wildbienen unterscheiden sich in Lebensform, Nistweisen und Nahrungsgewohnheiten. Es gibt drei wichtige Lebensformen: Solitärbienen, Soziale Bienen und Kuckucksbienen.

Solitärbiene

Die größte Gruppe bilden die Solitärbienen. Diese macht ungefähr 95 Prozent aller Wildbienenarten aus. Bei dieser Gattung hat jedes Weibchen ihr eigenes Brutnest. Jede Brutzelle wird eigenständig gebaut, mit einem Ei und dem benötigten Proviant (Pollen und Nektar) für die sich dann entwickelnde Larve versehen. Ist eine Brutzelle (inklusive des Eies und Proviant) fertiggestellt, wird die nächste Brutzelle begonnen. Somit kann ein Solitärbienenweibchen innerhalb von 4-6 Wochen circa 30 Brutzellen anlegen. Zu den Solitärbienen, die sehr bedeutend für die Bestäubung von Obstbäumen sind, gehört beispielsweise die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta), die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) oder die Seidenbiene (Colletes daviesanus).

Soziale Biene

Soziale Bienen bilden einen Staat mit Königin und Arbeiterinnen, in deren Gefüge die Aufgaben aufgeteilt sind. Bei dieser Gruppe leben ähnlich wie bei Honigbienen also mehrere Wildbienen gemeinsam in einem Nest und sind aufeinander angewiesen. Im Gegensatz zur Honigbiene überwintern die Wildbienen nicht gemeinsam, sondern gründen jedes Jahr ein neues Volk. So suchen Bienenköniginnen Anfang jedes Frühlings ein geeignetes Erdloch, um die ersten Brutzellen anzulegen und die anschließende Brut zu versorgen. Erst, wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, beginnt die Hummelkönigin ihre Funktion als Königin und legt nur noch Eier. Für die Versorgung sind dann die Arbeiterinnen zuständig. Im Herbst lösen sich diese Wildbienenvölker dann wieder auf.

Kuckucksbiene

Die dritte und letzte Gruppe ist die Kuckucksbiene. Sie bauen, anders als die Verwandten aus den anderen Gruppen, keine eigenen Nester, sondern haben sich darauf spezialisiert, fremde Nester zur Aufzucht ihrer Larven zu nutzen. Sie Nutzen die Situation aus, wenn eine Nestbauerin (meist Solitärbiene) auf Pollensuche ist, und legen ihre eigenen Eier in das fremde Nest. Die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe sind Blutbienen (Sphecodes spec.), Kegelbienen (Coelioxys) und Fleckenbienen (Crocisa spec.).

Die Gefährdung der Wildbiene

Mehr als 50 Prozent der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, 26 Arten sind als „extrem selten“ eingestuft. Weitere 7 Prozent der Wildbienenarten gelten inzwischen als verschollen und wahrscheinlich schon ausgestorben. Laut Bundesartenschutzverordnung sind Wildbienen zwar geschützt, aber es wird vermehrt auch darauf hingewiesen, dass die Schutzmaßnahmen „umstritten“ sind. Es gibt zwar eine Reihe von Initiativen zur Rehabilitierung der Bestände, aber die wirklichen Ursachen, vor allem der Verlust des Lebensraumes oder die vielfältigen Schadstoffbelastungen führen trotzdem zu weiteren Rückgang der Population.